Zukunftsdepot: Warum nicht der Start entscheidet, sondern der Ausstieg
Manfred Neuper hat für die Kleine Zeitung über das geplante Zukunftsdepot für Kinder geschrieben und dafür meine Auswertung aufgegriffen. Der Beitrag ist am 13. September 2026 im Wirtschaftsteil erschienen.
Hier stehen die Eckpunkte meiner Rechnung.
Kleine Zeitung | Manfred Neuper, 13. September 2026
Die Frage
Das Bundeskanzleramt rechnet in seinen Modellen mit einer Rendite von knapp sieben Prozent pro Jahr über achtzehn Jahre. Ist das realistisch?
Die Antwort
Ja. Der historische Mittelwert eines monatlichen MSCI-World-Sparplans über achtzehn Jahre liegt bei 8,7 Prozent, der Median bei 8,0 Prozent. Die Annahme liegt darunter und ist damit kein Wunschdenken.
Für die Einordnung habe ich das Renditedreieck des Deutschen Aktieninstituts ausgewertet. Es umfasst 33 abgeschlossene Achtzehnjahres-Perioden, von 1975 bis 1993 bis hin zu 2007 bis 2025.
Sparzeit negative Perioden
5 Jahre | 5 von 46
10 Jahre | 2 von 41
15 Jahre | keine
18 Jahre | keine
Die schlechteste der 33 Achtzehnjahres-Perioden brachte 1,6 Prozent pro Jahr, die beste 15,2 Prozent. Der schlechteste Start aller Zeiten brachte also immer noch 1,6 Prozent im Jahr.
Die Zahl, die mich mehr beschäftigt
Bei jeder Spardauer von zehn bis dreißig Jahren endet die schlechteste Periode im selben Jahr. 2008.
Das verschiebt die Frage. Nicht der Start entscheidet, sondern der Ausstieg.
Die Gegenprobe macht es deutlich. Wer 2007 begonnen hat, also unmittelbar vor der Finanzkrise, und bis 2025 durchgehalten hat, erreichte 12,5 Prozent pro Jahr und lag damit über dem historischen Schnitt. Wer 2008 aufhören musste, hatte Pech. Zwischen beiden liegt ein Jahr.
Ein Kind hat diesen Zeitpunkt nicht in der Hand. Es wird an einem bestimmten Tag achtzehn.
Was daraus folgt
Das Modell braucht eine Regel für die letzten Jahre. Zwei Wege sind denkbar: ein schrittweises Herunterfahren der Aktienquote ab dem vierzehnten, fünfzehnten oder sechzehnten Lebensjahr, oder die Möglichkeit, den Auszahlungszeitpunkt zu verschieben.
Ohne eine solche Regel entscheidet der Geburtstag über die Rendite.
Der Steuervorteil ist kleiner, als er klingt
Am Beispiel der mittleren Modellrechnung des Kanzleramts: 150 Euro im Monat ergeben nach achtzehn Jahren rund 63.000 Euro, davon rund 8.500 Euro Steuerersparnis.
Die Befreiung von der Kapitalertragsteuer macht damit gut ein Zehntel des Endwerts aus. Den Rest bringt die Zeit.
Und eine zweite Einordnung gehört dazu: Nominal ist nicht real. 63.000 Euro in achtzehn Jahren entsprechen bei zwei Prozent Inflation rund 44.000 Euro in heutiger Kaufkraft. Die Zahl klingt also größer, als sie sich anfühlen wird.
Das ist kein Argument gegen das Zukunftsdepot. Es ist ein Argument dafür, früh zu beginnen und lange dabeizubleiben.
Was diese Rechnung nicht sagt
Sie sagt nichts über künftige Renditen. Historische Perioden sind keine Zusage.
Und sie ersetzt keine Entscheidung darüber, ob ein solches Instrument kommen soll. Sie prüft nur, ob die Annahmen dahinter tragen.
Quellen der Zahlen
Deutsches Aktieninstitut, Renditedreieck. Eigene Auswertung monatlicher MSCI-World-Sparpläne. Modellrechnungen des Bundeskanzleramts. Kaufkraftrechnung bei zwei Prozent Inflation, eigene Berechnung.

