Wie ein österreichischer Staatsfonds konstruiert sein müsste
Bettina Pfluger hat für Der Standard über den geplanten österreichischen Staatsfonds geschrieben und dafür meine Rückrechnung aufgegriffen. Der Beitrag ist am 14. September 2026 im Wirtschaftsteil erschienen.
Hier stehen die Eckpunkte meiner Rechnung.
Der Standard | Bettina Pfluger, 14. September 2026
Die Rückrechnung
Im Raum steht eine Einzahlung von rund 700 Millionen Euro pro Jahr. Das entspricht heute 0,31 Prozent der österreichischen Abgaben. Wäre diese Quote seit 1996 eingezahlt worden:
Eingezahlt seit 1996 €12,6 Mrd.
Fondswert heute €36,6 Mrd.
Zwei Drittel des Vermögens kämen damit nicht vom Steuerzahler, sondern vom Kapitalmarkt.
Die zweite Rechnung hält die Einzahlung konstant bei 700 Millionen Euro über dreißig Jahre, in Summe 21 Milliarden Euro, und variiert nur die Veranlagung:
Veranlagung Fondswert nach 30 Jahren
Weltaktien, Performance der vergangenen zehn Jahre knapp 200 Mrd. EUR:
Norwegisches Muster 102,6 Mrd. EUR
75 % Anleihen / 25 % Aktien 62,8 Mrd. EUR
Reines Sicherheitsinvestment 36,7 Mrd. EUR
Das Fünffache Unterschied, bei identischer Einzahlung. Nicht die Höhe der Einzahlung entscheidet über das Ergebnis, sondern die Veranlagung.
Warum die Aktienquote keine Frage der Risikofreude ist
Ein Mandat, das ausschließlich in Anleihen investiert, verzehrt unter einer Drei-Prozent-Entnahmeregel seine eigene Substanz, real rund 1,45 Prozent pro Jahr, gerechnet mit der zehnjährigen Bundesanleihe. Nach dreißig Jahren wäre gut ein Drittel der Kaufkraft weg.
Die Aktienquote ist die fundamentale Grundlage, um die Entnahmeregel langfristig aufrechterhalten zu können. Sie ist nicht das Risiko des Modells. Sie ist seine Voraussetzung.
Die Größenordnung, ehrlich eingeordnet
Norwegen hat über dreißig Jahre 15,7 Prozent seiner Abgaben in den Fonds eingezahlt. Auf Österreich übertragen wären das 35,7 Milliarden Euro pro Jahr, also das 51-Fache der vorgeschlagenen 700 Millionen. Das ist mehr, als der Bund derzeit für sämtliche Pensionen an Zuschüssen aufwendet.
Ein Fonds in der genannten Größenordnung finanziert die Pensionen also nicht. Er ist ein zusätzlicher Baustein, und als solcher sollte er benannt werden.
Drei Punkte, auf die es bei der Konstruktion ankommt
Die Entnahmeregel zuerst, das Geld danach. Bezugsgröße ist das Fondsvermögen zu Jahresbeginn, nicht der laufende Ertrag. Würde die Entnahme mit dem Ergebnis schwanken, wäre der Fonds ein Konjunkturrisiko für das Budget, und genau dann würde die Politik eingreifen. Norwegen hat seine Regel 2001 beschlossen, als im Fonds noch fast nichts war. Wer sie erst schreibt, wenn der Topf groß ist, schreibt sie unter Druck.
Veranlagung im Ausland. Für Österreich wäre der heimische Markt zu klein. Die Titel im Prime Market der Wiener Börse sind zusammen 209,6 Milliarden Euro wert. Einzahlungen von 21 Milliarden über dreißig Jahre wären zehn Prozent dieses Marktes. Genau bei zehn Prozent zieht Norwegen die Reißleine.
Keine Kapitalgarantie. Hier sollte Österreich aus der eigenen Vergangenheit lernen. Die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge zwang die Anbieter, ab einer bestimmten Verlustschwelle von Aktien in risikolose Veranlagungen umzuschichten. Wer davon betroffen war, blieb dort und hat an der Erholung der Aktienmärkte nicht mehr teilgenommen.
Quellen der Zahlen
Eigene Modellrechnung auf Basis der österreichischen Abgabenquote und der Veranlagungsvarianten. NBIM für die Kennzahlen des norwegischen Fonds. Wiener Börse für die Marktkapitalisierung im Prime Market.

