Das neue Jahr beginnt bei mir traditionell mit einer kleinen Selbstprüfung. Einer „Challenge“, wenn man so will. Als bekennender Espresso-Liebhaber starte ich 2026 mit einer zeitweisen Abstinenz. Wie lange sie dauern soll, weiß ich noch nicht. Als ich kürzlich bei einem Geschäftstermin den gewohnten Espresso ablehnte, wurde ich gefragt, ob alles in Ordnung sei. Um das gleich klarzustellen: Mir geht es gut. Nach dem Überkonsum der letzten Wochen des Vorjahres ist es einfach Zeit, mich wieder einmal zu rekalibrieren.
Solche Momente sind typisch für den Jahreswechsel. Nicht nur im Alltag, sondern auch an den Finanzmärkten. Der Jahresanfang ist ein Schnittpunkt. Ein Zeitpunkt, an dem viele innehalten, Bilanz ziehen und neu sortieren. Portfolios werden überprüft, Erwartungen angepasst, Vorsätze gefasst. Die Uhren werden vielerorts auf null gestellt. Neue Prognosen dominieren die Schlagzeilen. Euphorie mischt sich mit Unsicherheit. Beides gehört dazu.
Rund um den Jahreswechsel wissen plötzlich viele, was uns in den kommenden zwölf Monaten erwarten wird. Wachstum hier, Rezession dort. Soft Landing, Hard Landing oder doch irgendetwas dazwischen. Zahlen bekommen Schlagzeilen, Szenarien werden zu Gewissheiten erklärt. Beim Lesen mancher Ausblicke könnte man meinen, die Kursentwicklung des Jahres sei bereits vorgezeichnet. Das ist verständlich. Und dennoch irreführend.
Niemand kann die Zukunft verlässlich vorhersagen. Nicht Ökonom:innen, nicht Strateg:innen großer Investmenthäuser, nicht Notenbanker:innen. Wer etwas anderes behauptet, verkauft Sicherheit, wo es keine gibt. Und trotzdem lesen wir Prognosen jedes Jahr aufs Neue. Nicht, weil wir ihnen blind glauben. Sondern weil Unsicherheit anstrengend ist. Eine Zahl fühlt sich oft beruhigender an als ein offenes Fragezeichen.
Dabei liegt der Wert von Prognosen woanders, als viele vermuten. Sie sagen wenig darüber aus, was tatsächlich kommen wird. Aber viel darüber, wie gedacht wird. Welche Erwartungen dominieren. Wo Hoffnungen liegen. Und wo Sorgen bereits eingepreist sind. In diesem Sinne sind Prognosen weniger ein Blick in die Zukunft als ein Spiegel der Gegenwart.
Märkte funktionieren genau so. Sie reagieren nicht nur auf Fakten, sondern vor allem auf Erwartungen. Preise entstehen dort, wo Kapital auf Überzeugungen trifft. Wer Prognosen liest, um Recht zu behalten, liest sie falsch. Wer sie liest, um zu verstehen, wie andere positioniert sind, liest sie richtig.
Ein Blick zurück auf 2025 macht das deutlich. Für viele fühlte sich dieses Jahr lange nicht gut an. Der Nachrichtenfluss war zäh, die Schlagzeilen oft unerquicklich. Geopolitische Spannungen, neue Zölle, Rezessionsängste. Dazu immer wieder Zweifel, ob rund um künstliche Intelligenz mehr Hoffnung als Substanz gehandelt wird. Die Stimmung war angespannt, der Ton alarmistisch.
Der Jahresbeginn ist für viele ein Moment der Neuordnung. Für mich ganz konkret: Traditionell beginnt mein Jahr mit einer kleinen „Challenge“. Als bekennender Espresso-Liebhaber starte ich 2026 mit einer zeitweisen Abstinenz. Wie lange sie dauern soll, weiß ich noch nicht. Als ich kürzlich bei einem Geschäftstermin den gewohnten Espresso ablehnte, wurde ich gefragt, ob alles in Ordnung sei. Um das gleich klarzustellen: Mir geht es gut. Nach dem Überkonsum der letzten Wochen des Vorjahres ist es einfach Zeit, mich wieder einmal zu rekalibrieren.
Diese Form der Rekalibrierung betrifft nicht nur den Alltag, sondern auch den Blick auf die Finanzmärkte. Der Jahreswechsel ist ein Schnittpunkt. Ein Zeitpunkt, an dem viele Investorinnen und Investoren innehalten, Bilanz ziehen und ihre Kapitalanlagen überprüfen. Portfolios werden hinterfragt, Erwartungen angepasst, Prognosen gelesen. Die Uhren werden vielerorts auf null gestellt.
Neue Erwartungen, neue Prognosen, ein wenig Euphorie – und fast immer auch Unsicherheit. Das sind die konstanten Begleiter zum Jahresbeginn.
Prognosen: Orientierung oder trügerische Sicherheit?
Rund um den Jahreswechsel wissen plötzlich viele, was das neue Jahr bringen wird. Wachstum hier, Rezession dort. Soft Landing, Hard Landing oder doch irgendetwas dazwischen. Zahlen bekommen Schlagzeilen, Szenarien werden zu Gewissheiten erklärt. Es wirkt manchmal so, als ließe sich die Zukunft mit ausreichend Tabellenmaterial bändigen.
Das ist verständlich. Und dennoch irreführend.
Niemand kann die Zukunft verlässlich vorhersagen. Nicht Ökonominnen und Ökonomen, nicht Strateginnen und Strategen großer Investmentbanken, nicht Notenbankerinnen und Notenbanker. Wer etwas anderes behauptet, verkauft Sicherheit, wo es keine gibt. Und trotzdem lesen wir Prognosen Jahr für Jahr. Nicht aus Naivität, sondern weil Unsicherheit schwer auszuhalten ist. Eine Zahl fühlt sich oft geordneter an als ein offenes Fragezeichen.
Warum Prognosen mehr über die Gegenwart sagen
Dabei liegt der eigentliche Wert von Prognosen woanders, als viele vermuten. Sie sagen wenig darüber aus, was tatsächlich kommen wird. Aber viel darüber, wie der Markt denkt. Welche Erwartungen dominieren. Wo Hoffnungen liegen. Und wo Sorgen bereits eingepreist sind.
In diesem Sinn sind Prognosen weniger ein Blick in die Zukunft als ein Spiegel der Gegenwart.
Finanzmärkte funktionieren genau so. Sie reagieren nicht nur auf Fakten, sondern vor allem auf Erwartungen. Preise entstehen dort, wo Kapital auf Überzeugungen trifft. Wer Prognosen liest, um Recht zu behalten, liest sie falsch. Wer sie liest, um zu verstehen, wie andere positioniert sind, liest sie richtig.
Rückblick auf 2025: Stimmung und Realität
Ein Blick zurück auf das Börsenjahr 2025 hilft, diese Perspektive einzuordnen. Für viele fühlte sich das Jahr lange nicht gut an. Der Nachrichtenfluss war zäh, die Schlagzeilen oft unerquicklich. Geopolitische Spannungen, neue Zölle, Rezessionsängste. Dazu immer wieder Zweifel, ob rund um künstliche Intelligenz mehr Hoffnung als Substanz gehandelt wird. Die Stimmung war angespannt, der Ton häufig alarmistisch.
Die Märkte erzählten jedoch eine andere Geschichte. In vielen Bereichen war die Performance deutlich besser, als es das Stimmungsbild vermuten ließ. Nach dem markanten Kurseinbruch im April rund um den sogenannten „Liberation Day“ verließen einige Investorinnen und Investoren den Markt. Rückblickend war das eine teure Entscheidung. Die Börsen erholten sich rasch und legten im weiteren Jahresverlauf deutlich zu.
Wiener Börse: Substanz statt Erzählung
Besonders bemerkenswert war auch der Blick nach Wien. Die Wallnerstraße konnte die Wall Street übertreffen. Die Wiener Börse gehörte 2025 zu den erfolgreichsten Märkten weltweit. Mehr als 45 % Plus in zwölf Monaten sind kein Zufall. Moderate Bewertungen, eine starke Banken- und Versicherungsgewichtung und die Suche internationaler Investoren nach Alternativen abseits der großen Tech-Erzählungen kamen hier zusammen.
Die Lehre daraus ist nicht neu. Märkte verarbeiten Unsicherheit schneller als Menschen. Wer sich von Schlagzeilen treiben lässt, reagiert oft zu spät. Geduld klingt wenig spektakulär. Sie ist aber erstaunlich wirksam.
Ausblick auf 2026: Nüchternheit statt Euphorie
Der Blick auf 2026 fällt entsprechend nüchtern aus. Das globale Wachstum bleibt verhalten. Europa tut sich strukturell schwer, die wirtschaftlichen Impulse kommen aus den USA und zunehmend aus Asien. Diese Verschiebungen sind kein kurzfristiger Zyklus, sondern Ausdruck langfristiger Trends.
Gleichzeitig bleibt künstliche Intelligenz ein zentrales Investmentthema. Nicht als Hype, sondern als Produktivitätsfrage. Gegenwärtig werden weltweit Billionen Dollar investiert. Ob daraus nachhaltig höhere Erträge entstehen, wird sich zeigen. Oder auch nicht.
Das neue Normal an den Märkten
Politisch bleibt es unruhig. US-Präsident Donald Trump überschreitet auch 2026 wieder Grenzen und sorgt für Aufsehen. Venezuela, nun auch Grönland. Was früher für erhebliche Marktverwerfungen gesorgt hätte, wird heute fast schon routiniert eingepreist. Vielleicht ist genau das das neue Normal.
Trotz geopolitischer Spannungen sind die Finanzmärkte robust ins neue Jahr gestartet. Der deutsche DAX hat erstmals die Marke von 25.000 Punkten überschritten. Das Bild erinnert an 2025: viele schlechte Nachrichten, aber erstaunlich stabile Börsen. Man sagt, die Märkte laufen etwa sechs Monate voraus. Wenn das zutrifft, könnten uns trotz allem entspannte Sommermonate bevorstehen.
Fazit: Rekalibrierung als Haltung
Der Jahresbeginn ist kein Neustart der Welt. Aber er ist ein guter Zeitpunkt, das eigene Denken zu überprüfen. Prognosen helfen dabei nicht, die Zukunft vorherzusagen. Aber sie helfen, Erwartungen einzuordnen. Und manchmal reicht genau das.
Die Espresso-Abstinenz hält übrigens noch. Der Vorsatz wackelt. Abschließend wage auch ich eine Prognose: Der nächste Espresso wird wohl nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.

